Ich habe ein Problem, das viele kleine Betriebe haben: Ich bin nicht eine Firma, ich bin mehrere. Unter wolfsoft.de läuft der Retro-Shop, Konsolen und Hardware aus vier Jahrzehnten. Unter wolfsoft.ai berate ich Unternehmen zu KI. RetroFinder sammelt die Termine der Retro-Börsen. Und privat gibt es mich auch noch.
Für jede dieser Rollen braucht man eine Visitenkarte, und jede muss anders sein. Wer auf einer Retro-Börse eine Karte bekommt, auf der „KI-Beratung" steht, legt sie weg. Wer im Kundengespräch über Datenschutz eine Karte mit einem Pixel-Wolfskopf bekommt, auch.
Beim Grafikbüro heißt das: vier Aufträge, vier Korrekturschleifen, vier Rechnungen. Und wehe, man will hinterher noch etwas ändern.
Was stattdessen passiert ist
Am Ende lagen neun Karten da. Keine davon habe ich gezeichnet. Ich habe beschrieben, was ich wollte, und dann so lange nachgebessert, bis es stimmte.
Der Punkt dabei ist nicht die Bequemlichkeit. Der Punkt ist, was mit dem Corporate Design passiert, wenn es aufhört, eine PDF-Datei im Ordner zu sein.
Unser Styleguide von 2017 lag genau so herum: als PDF, hübsch gesetzt, und jedes Mal, wenn jemand etwas daraus brauchte, hat er es abgemalt. Jetzt sind die Bestandteile einzeln greifbar. Der Wolfskopf, die drei Farben #E30000, #009640 und #009FE3, die Schrift, der Rhythmus der Pixel-Streifen. Aus diesen Teilen lässt sich eine neue Karte in Minuten zusammensetzen, weil man nicht mehr zeichnet, sondern beschreibt.
Nebenbei ist dabei das Original von 2017 rekonstruiert worden, als eigene Variante, damit man vergleichen kann, wie weit sich das Ding seither entfernt hat.
Die neun
A ist die Hauptkarte für wolfsoft.de: Wolfskopf, „WOLFSOFT GmbH", darunter die RGB-Streifen, die sich nach rechts in Pixel auflösen, und die Zeile „Retro Videogame · Consoles · Tech". Grund ist das CI-Anthrazit #202020. A/S ist dieselbe Karte auf tiefem Schwarz #050505, für den Fall, dass der Druckerei das Anthrazit zu hell wird.
F ist die Karte für wolfsoft.ai. Derselbe Wolf, aber in Blau, riesig ins Bild gesetzt, „KI MIT BISS" statt „RETRO MIT BISS". Man erkennt auf zwei Meter, dass es dieselbe Firma ist, und auf zwanzig Zentimeter, dass es ein anderes Geschäft ist. H ist die Sparfassung davon: Name, QR-Code, sonst nichts.
R ist RetroFinder. Der Schriftzug bricht in zwei Farben, „RETRO" weiß, „FINDER" blau, darunter „Alle Retro-Termine". Die Karte ist für Börsen gedacht, also für Leute, die dreißig Stände abklappern und am Abend einen Stapel Papier in der Tasche haben. Sie muss in zwei Sekunden lesbar sein.
P und I sind die privaten, Gold auf Schwarz. Kein Firmenzusatz, kein Slogan.
Und dann sind da T und T/S. Das ist eine Sammelkarte im Stil der Dinger, die wir als Kinder getauscht haben: Erstauflage, Baujahr 1967, Zustand CIB, dazu Werte wie „Retro-Radar 90 — findet jede Konsole, egal wie tief im Dungeon sie liegt" und „Kurzer Draht 120 — ruft noch am selben Werktag zurück". Unten läuft der Konami-Code durch. Die habe ich nicht bestellt. Die kam als Vorschlag zurück, und ich habe sie behalten, weil sie mich zum Grinsen gebracht hat.
Genau das ist der Unterschied zum Grafikbüro: Eine Spinnerei auszuprobieren kostet einen Satz. Wenn sie nichts taugt, wirft man sie weg, und niemand hat dafür bezahlt.
Der QR-Code ist der eigentliche Gewinn
Auf jeder Rückseite sitzt ein QR-Code, und dahinter liegt keine Website, sondern eine vCard: Name, Firma, Telefon, E-Mail. Einmal scannen, und der Kontakt steht im Telefon. Kein Abtippen, kein Vertippen, keine Karte, die drei Monate im Portemonnaie vergammelt und dann im Müll landet.
Jede Variante hat dabei ihren eigenen Code mit ihren eigenen Daten. Die Retro-Karte führt auf die Ladennummer, die KI-Karte auf die eigene Leitung, die private auf die Mobilnummer. Wer die falsche Karte scannt, landet trotzdem richtig.
Das kostet nichts. Ein QR-Code ist ein paar Zeilen Text in einem Bild. Trotzdem bekomme ich noch heute Karten in die Hand gedrückt, auf denen eine Nummer steht, die ich abtippen soll. Wir sind im Jahr 2026.
Was daran für einen kleinen Betrieb zählt
Nicht die Karten. Die Umstellung dahinter.
Solange das Corporate Design ein PDF ist, ist jede Anwendung ein neuer Auftrag. Sobald es als Bausatz vorliegt, ist jede Anwendung eine Beschreibung. Das gilt für die Karte, für den Briefbogen, für den Messeaufsteller, für die Beschriftung am Lieferwagen.
Und es hört bei Papier nicht auf. Aus derselben Kartenvorderseite ist inzwischen ein Firmenschild aus dem 3D-Drucker geworden, ohne dass jemand ein CAD-Programm öffnen musste. Wie das ging, steht im zweiten Teil: Aus der Visitenkarte wird ein Wandlogo.
Was man dafür braucht, ist keine Software und kein Kurs. Man muss beschreiben können, was man will, und man muss hinschauen, was zurückkommt. Beim Hinschauen liegt die Arbeit. Ich habe bei den Karten öfter „nein, anders" gesagt als „ja, so". Aber das ist beim Grafiker nicht anders, nur dass es dort jedes Mal Geld kostet und eine Woche dauert.
Die Sammelkarte lasse ich übrigens nicht drucken. Wahrscheinlich.
KI-Tools für Ihr Unternehmen?
Ob Markenauftritt, Produktbilder, automatisierte Abläufe oder datenschutzkonforme KI-Infrastruktur: WOLFSOFT begleitet Ihr Team bei der Umsetzung. Komplett ohne Cloud-Zwang.