Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Aus unserer echten Logodatei sind an einem Vormittag neun Rasterfassungen des Wolfs entstanden, jede einmal mit und einmal ohne Fuge. Achtzehn Kacheln nebeneinander auf einer Seite, statt einer Fassung, in die man sich verguckt.
- Ausgewählt hat sie kein Programm, sondern ich. Und weil an einer Stelle drei Pixel fehlten, ist in wenigen Minuten eine kleine Pixel-Werkstatt entstanden: malen mit der Maus, Vorschau in echter Kartengröße, Rückweg zum Rechner.
- Das Werkzeug ist danach nicht weggeworfen worden. Es liegt im Projektordner und startet beim nächsten Mal wieder.
- Die Karte ist inzwischen gedruckt. Der Wolf von 1982 liegt auf Papier, 85 × 55 Millimeter, neben seinem Nachfolger von heute.
Darum ging es: derselbe Wolf zweimal. Links, wie ihn ein Rechner von 1982 dargestellt hätte, rechts, wie er heute aussieht.
Wir brauchten eine Karte zum Verteilen, für die Messe. Auf der Rückseite sollte unser Wolfskopf zweimal stehen: links im Raster, wie damals, rechts als saubere Vektorform, wie heute. Das ist der ganze Witz der Karte, und deshalb musste der linke Wolf sitzen.
Früher wäre das ein Nachmittag geworden. Grafikprogramm auf, Logo importieren, Raster drüberlegen, Kästchen für Kästchen nachziehen. Am Ende hat man eine Fassung, und weil sie so viel Arbeit war, findet man sie gut. Ob eine andere besser gewesen wäre, weiß man nie, denn diese andere hat man ja nie gesehen.
Neun Rasterungen auf einen Schlag
Der Weg war ein anderer. Nicht nachzeichnen, sondern abtasten: Die echte Logodatei wird groß gerendert, flächig gemittelt und dann auf ein Raster geschwellt. Wer über der Schwelle liegt, wird weiß, wer darunter liegt, bleibt schwarz. Das Ergebnis ist derselbe Wolf, nur eine Epoche früher, und nicht meine Erinnerung an ihn.
Nur: Wie viele Zellen? Das kann man ausrechnen oder man kann es sehen. Also alle auf einmal, von 18 bis 32 Zellen, dazu je eine entstörte, eine fettere und eine schlankere Variante, und jede davon einmal mit Fuge zwischen den Pixeln und einmal ohne. Achtzehn Kacheln auf einer Seite, alle gleich breit dargestellt, damit man sie nebeneinanderhalten kann.
Achtzehn Kacheln aus neun Rasterungen. Erzeugt sind sie alle aus derselben Logodatei, unterschiedlich sind nur Zellenzahl, Schwelle und die Frage, ob zwischen den Pixeln eine Fuge steht.
Was man auf so einem Blatt sofort sieht und vorher nie hätte begründen können: Weniger Zellen machen die Silhouette ruhiger, aber unter etwa 20 Zellen fallen die Ohrenspitzen zusammen, und ein Wolf ohne Ohren ist ein Hügel. Nach oben kippt es genauso. Bei 32 Zellen wird die Sache glatt und das Rasterhafte verschwindet. Dann kann man auch gleich den Vektor nehmen.
Die automatische Fassung war die schlechtere
Eine der Rasterungen ist entstört. Sie räumt einzeln stehende Pixel weg, weil so ein Streupixel im Raster meist nur Rauschen ist. Klingt vernünftig, und beim ersten Anlauf hat sie dem Wolf die Ohrenspitzen abrasiert, weil das aus Sicht der Rechnung genau solche Streupixel sind. Die obersten 30 Prozent der Höhe bleiben seitdem unangetastet.
Genommen habe ich sie trotzdem nicht. Die entstörte Fassung legt unter der Nase einen Balken an, der aussieht wie ein Zahn, und aus dem gewinkelten Auge macht sie einen Schlitz. Beides kein Fehler in der Rechnung. Nur eben kein Wolf. Gewählt habe ich die unbearbeitete Abtastung mit 28 Zellen, 28 mal 21 Kästchen, Zelle 4 Pixel.
Das ist die Stelle, an der eine Maschine allein nicht weiterkommt. Sie kann mir neun Fassungen hinlegen und zu jeder sagen, was rechnerisch passiert ist. Welche davon nach Wolf aussieht, entscheidet ein Mensch, der weiß, wie das Tier auszusehen hat. Und dieser Wolf steht seit über dreißig Jahren auf allem, was in der Firma nicht bei drei auf den Bäumen ist.
Die Werkstatt, die es vorher nicht gab
An der 28er-Fassung hat mich eine Kleinigkeit gestört: Unter der Schnauze bricht die Kieferlinie ab. Man sieht es erst, wenn man es sieht, und dann nicht mehr anders.
Nun kann man drei Pixel schlecht diktieren. „Das dritte Kästchen von rechts in der Zeile unter der Nase" ist eine Anweisung, bei der beide Seiten raten. Also habe ich gesagt, ich will das selber malen. Ein paar Minuten später stand eine Seite im Browser: links das Raster als Gitter, linke Maustaste setzt, rechte löscht, Ziehen geht auch. Rechts daneben die Vorschau in echter Kartengröße, einmal mit Fuge, einmal ohne, und derselbe Wolf als Vektor daneben zum Vergleich. Unten fällt der Raster als Text heraus.
Die Werkstatt. Nichts Schönes, aber es tut genau eine Sache, und die richtig. Rechts steht die Vorschau in der Größe, in der das Ding später auf der Karte sitzt.
Der zweite Teil war wichtiger als der erste, und darauf wäre ich von selbst nicht gekommen. Mein nachgebesserter Wolf lag nach dem Malen ausschließlich in meinem Browser. Einmal die Seite neu geladen, und die Arbeit ist weg. Deshalb hat die Werkstatt einen Knopf bekommen, der den Raster zurückschickt, und einen Zwischenspeicher im Browser, der nach jeder Änderung sichert. Wer vom Handy arbeitet, tippt keine 21 Zeilen Punkte und X ab.
Ein Rückkanal ist eine offene Tür, auch wenn er nur im eigenen Netz steht. Der kleine Server nimmt deshalb nichts an, was nicht aus Punkten und X besteht, alle Zeilen müssen gleich lang sein, und der Dateiname wird aus dem Namen abgeleitet, nicht übernommen. Das sind drei Zeilen Prüfung. Ohne sie schreibt einem irgendwann irgendwer irgendwas auf die Platte.
Drei Pixel
Gedauert hat das Malen keine zwei Minuten. Ich habe die Kieferlinie unter der Schnauze weitergezogen, auf den Knopf gedrückt, und kurz darauf stand mein Wolf auf der Karte.
Links die Abtastung, rechts meine Fassung. Der Unterschied sind die drei blauen Kästchen.
Drei Pixel. Dafür habe ich mir eine ganze Werkstatt bauen lassen, das gebe ich zu. Aber der Wolf ist unser Firmenzeichen, es geht hier um Millimeter, und die Karte landet nachher auf dem Messetisch und nicht nur auf dem Bildschirm.
Was davon liegen bleibt
Im Quelltext der Karte steht der Raster jetzt als Textblock, und darüber steht eine Warnung: Nicht neu abtasten, sonst ist die Handarbeit weg. Das ist der unspektakulärste Satz dieses ganzen Vorgangs und mir der liebste. Er hält fest, dass an dieser Stelle ein Mensch entschieden hat und die Maschine das zu respektieren hat.
Und die Werkstatt liegt im Projektordner, neben der Vergleichsseite mit den achtzehn Kacheln. Beim nächsten Logo, beim nächsten Zeichen, beim nächsten Mal, wenn ich drei Kästchen anders haben will, ist beides schon da. Das ist der Unterschied zu einem Dienstleister, der eine Datei abliefert: Bei mir bleibt das Werkzeug im Haus.
Sauber lief dabei nicht alles. Der Raster hatte im ersten Anlauf ein feines Gitternetz im Gesicht, weil jedes Kästchen einzeln gezeichnet wurde und der Bildschirm die Stoßkanten glättet. „Der ohne die Konturen", habe ich gesagt, und aus den paar hundert Rechtecken wurde eine einzige Fläche. Nebenbei kam heraus, dass unsere angeblich echte Atari-Schrift von Anfang an keine war. In der Datei stand ein Name, die Schrift dazu gab es im Projekt nie. Gerendert wurde die ganze Zeit etwas anderes. Solche Sachen findet man nicht, weil man sucht, sondern weil man einmal genau hinschaut.
Was das für kleine Betriebe heißt
Der Punkt ist nicht, dass eine KI ein Logo pixeln kann. Der Punkt ist die Arbeitsteilung.
Die Maschine ist schnell und geduldig. Sie legt neun Fassungen hin, wo ein Mensch eine baut, sie rechnet nach statt zu schätzen, und sie baut mir auf Zuruf in ein paar Minuten das Werkzeug, das im Moment fehlt. Genau das ist der Teil, der neu ist. Ein Editor für einen einzigen Nachmittag hat sich früher nie gelohnt, denn bis er fertig gewesen wäre, hätte man die Kästchen längst von Hand gemalt.
Was sie nicht kann, ist entscheiden, ob etwas gut aussieht. Da hilft kein Schwellenwert. Wer in seinem Betrieb ein Zeichen, eine Beschriftung, eine Verpackung hat, an der es auf Kleinigkeiten ankommt, braucht dafür weiterhin einen Menschen mit einer Meinung. Er muss nur nicht mehr derjenige sein, der die Kästchen malt.
Die Karte liegt inzwischen gedruckt vor mir, mit dem Rasterwolf von 1982 links und dem blauen von heute rechts. Ob die Leute auf der Messe den QR-Code darauf tatsächlich scannen, weiß ich in ein paar Wochen.
KI-Tools für Ihr Unternehmen?
Ob Drucksachen, Produktbilder, kleine Werkzeuge für den eigenen Ablauf oder datenschutzkonforme KI-Infrastruktur: WOLFSOFT begleitet Ihr Team bei der Umsetzung. Komplett ohne Cloud-Zwang.